Dezentraler Funk-Taster zur Anforderung von Bussen im Linienbandbetrieb

Auf der als Europäische-Mobilitätswoche-Eröffnungsveranstaltung gedachten Podiumsdiskussion in Dresdner Verkehrsmuseum am 16. September 2021 gab es eine private Wortmeldung, dass Busse, welche hauptsächlich auf der Hauptstraße verkehren, bei Bedarf an das kleine Dorf heranfahren sollen, um die Fahrgäste abzuholen.

Wieso gab es diese Wortmeldung, wo doch ganz viele Verkehrsbetriebe bzw. Tarifverbünde verschiedenste On-Demand-Systeme (Rufbus, Anruflinientaxi, gerufen per Telefon/App, jedoch meist min. 30 Minuten im Voraus, teils sogar einen ganzen Tag im Voraus) anbieten? (Einschränkenderweise muss ich sagen, dass im Jahr 2022 ist in Dresden noch ein Letzte-Meile-Shuttle hinzugekommen ist, ähnlich wie es seit dem Jahr 2021 in Leipzig schon bestand, aber eben noch nicht in Dresden zur Zeit der Podiumsdiskussion.) Vielleicht liegt es daran, dass all diese Systeme wegen der 30+ Minuten Vorlaufzeit oder wg. des App-Zwangs eben doch nicht die Flexibilität bieten, die man vom klassischen Linienverkehr kennt. Die Vorlaufzeit wurde zwar auf der eingangs erwähnten Podiumsdiskussion relativiert, weil die Wege-/Mitnahmeplanungsprozesse auf dem Land auch in anderen Kontexten durchaus eine halbe Stunde in Anspruch nehmen könnten. Das Argument ist aber nicht gut, wenn man bedenkt, dass im Zuge der Wegeentscheidung nicht das Verkehrsmittel zuallererst feststehen muss, sondern idealerweise zum Schluss, sodass es die geringsten Rahmenbedingungen darstellt.

Aus elektrotechnischer Sicht gibt es auch keinen Grund für 30 Minuten. Ein kurzes Funktelegramm lässt sich in Sekundenbruchteilen übermitteln. Der Bus kann also von der Landstraße ins Dorf hineinkommen (Dauer ca. 5 Minuten), vorausgesetzt, er fährt auf der Landstraße. Diese Voraussetzung ist bei manchen topografischen Situationen gegeben. Das entsprechende Betriebsverfahren nennt man im Fachjargon "Linienbandbetrieb".

Die große Frage ist also, wieso noch niemand eine dezentrale Variante des Systems, ich nenne sie "Busanforderungstaster" umgesetzt hat? Es ist eigentlich die richtige Zeit dafür.


Antwort: Die Frage war falsch gestellt. Es gibt die Busanforderungstaster bereits, bloß wird der eine, den ich kenne, nicht prominent beworben, sondern im Fahrplan (Linie 132 der Kombus, Ort Kirschkau) versteckt.

Im Fahrplan (als pdf-Datei, 115 KiB) wird der Halt meist mit Kennzeichen "B" markiert, welches für "Bedarfshaltestelle 5 min bis 15 min vor Fahrtantritt Anforderungsknopf bestätigen" steht.

An der Haltestelle selbst hängt eine LCD-Pixelanzeige mit folgendem Text:

Mo. 12.06.2023                   12:57
132 Schleiz Busbhf.              13:09
132 Langenbuch                   14:01
132 Zeulenroda                   14:05

Es gibt Knöpfe für:

Außerdem ist noch ein erklärender Text auf den Kasten gedruckt:

Werte Fahrgäste,

wenn Sie eine Fahrt mit Bedarfshalt nutzen möchten, drücken Sie bitte im Zeitraum von 15 bis 5 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt den grün blinkenden Anforderungsknopf.

Wenn der Anforderungsknopf dauerhaft grün leuchtet, wurde Ihre Anforderung erfolgreich ausgeführt.

Im Falle eines Defektes der Anlage werden im Display keine Abfahrten angezeigt. Der Bus bedient dann die Haltestelle auch ohne Anforderung.

Weitere Infos erhalten Sie ... [Handynummer] von 7:xx bis 17:15 Uhr ... [Festnetznummer]


Nicht ganz das Konzept, aber eine Denkweise gibt es auch schon lange bei Karlsruhe, wo man das Bremsregime des Wagens mit einem Tastendruck beeinflussen kann. Dazu mehr unter https://ka.stadtwiki.net/Bedarfshalt


Oktober 2022: Erstveröffentlichung

Juni 2023: Ergänzung der realen Beispiele bei Karlsruhe/im Vogtland, kl. Rechtschreibfehler korrigiert


Dokument vom Okober 2022, letzte Änderung am 7. Januar 2024. Seitenquelltext

Hintergrundbild: Schräge Vorderansicht der Lok 1142.562-9